Kevin verjagt die Jugend

Wenn wir die Juniorwahl bei der Europawahl ansehen, dann ist das Ergebnis eindeutig: Die Jugend läßt die SPD links liegen. Sie läuft ihr nicht einmal davon, weil sie niemals bei der SPD war, nein, sie läßt sie einfach links liegen. An der Juniorwahl können Schüler ab der 7. Klasse teilnehmen, wenn sich ihre Schulen am Projekt „Juniorwahl“ beteiligen. An der Juniorwahl zur Europawahl im Mai 2019 haben sich immerhin rund 485.000 Schülerinnen und Schüler beteiligt. Das legt nahe, die Ergebnisse als repräsentativ für das mögliche Wahlverhalten der Jugendlichen in Deutschland anzusehen. Und das sieht für die SPD garnicht gut aus.

Wir hatten ja schon vor einiger Zeit festgestellt, daß der Zuspruch bei jungen Wählern für die Zukunftsfähigkeit einer Partei entscheidend ist. Die alten Wähler sterben nach und nach weg. Wenn es nicht gelingt, in den jüngeren Alterskohorten neuen Zuspruch zu erhalten, schwindet das Wählerpotential wie ein Fluß, dem die Quelle versiegt ist. In diesem Falle ist auch nicht zu erwarten, daß nach einem Schauer der Fluß wieder anschwillt wie ein Wadi in der Wüste. Nein, er ist einfach ausgetrocknet.

Also ist der Zuspruch bei jungen Wählern ein sehr klares Indiz für die Zukunftsfähigkeit einer Partei, dafür, daß sie die Themen aufgreifen konnte, die jene Menschen bewegen, die das Rentenalter noch in weiter Ferne sehen und sich nicht der SPD AG 100-Minus zugehörig fühlen. Zur Erinnerung: Zu Zeiten von Willy und Helmuth wählten die jungen Wähler überwiegend die SPD. Aber die damals jungen sind heute schon recht alt, es sind zu wenige Junge hinzugekommen, die von der SPD regelmäßig überzeugt werden konnten. Doch die alten, die damals auch den Weg in die SPD-Mitgliedschaft fanden, hängen offenbar immer noch stark an ihren alten Ideen. Denn wenn das nicht der Fall wäre, würde die SPD ja die aktuellen Themen mit größerer Überzeugungskraft aufgreifen können. Sogar wenn ein Junger als JUSO die alten Positionen aufgreift, überzeugt das die Jugendlichen überhaupt nicht, wenn man die Ergebnisse der Juniorwahl zur Europawahl als empirischen Maßstab anlegt. Anders gesagt: Mit Kevin sieht die SPD echt alt aus.

Als Beweis nenne ich die Ergebnisse der Juniorwahl zur Europawahl im Mai 2019: Bundesweit führen die Grünen mit 33,9%, in Hamburg 40,0% und einigen Ländern knapp darunter. Die AfD kommt im Schnitt auf 6,%, was auf den ersten Blick nicht so alarmierend auszusehen scheint. Die SPD kommt bundesweit auf 12,2%, etwas mehr als die CDU. Spitzenwert für die SPD in Bremen mit 21.6%. Bremen ist sehr klein. Dort hat die SPD auch bei der Juniorwahl zur Bürgerschaft (Landesparlament) 24,7% bekommen und die Grünen nur 23,9%…

Dramatisch sieht aber das Ergebnis der Juniorwahlen in den nicht mehr ganz so neuen Ländern: Die Grünen liegen auch hier überall vorn, in Thüringen mit 17,5% bis Brandenburg mit 27,7%. Danach kommt die AfD, in Thüringen mit 15,0% bis Brandenburg mit 12,8%, die anderen Länder irgendwie dazwischen. Die SPD ist noch stark in Mecklenburg-Vorpommern mit 11,4%, ganz schwach mit 7,7% in Sachsen.

Die Ergebnisse der Juniorwahl zeigen überdeutlich, daß die Sozialdemokraten mit den Themen, die sie in der Kommunikation haben, nicht nur bei den Wahlberechtigten nicht überzeugen, sondern auch bei den künftigen Wählern keine große Relevanz haben. Die Schüler, die ganz offensichtlich durchaus politisch aufmerksam sind, orientieren sich an Parteien, die entweder die große Zukunftsfrage Umwelt und Klimawandel nach vorne stellen, oder die Gegenwartsfrage nach Einwanderung und Vielfalt in der Gesellschaft. Da die SPD in beiden Feldern diffus erscheint, lockt sie keine Jugendlichen hinterm Ofen hervor. Ja, gerade auch die, die mit Unbehagen oder Ablehnung auf die Einwanderungsgesellschaft sehen, die von erfolgreichen Sozialdemokraten durchaus angesprochen werden konnten, auch diese werden von der moralischen Überheblichkeit, mit der z.B. der Vizeparteivorsitzende zur Linken auf den sozialdemokratischen Erfolg in Dänemark reagierte, eher abgestoßen.

Mein Fazit: Die alte Linke in der SPD trägt in erheblichem Umfang zum Bild der Verlierer-SPD bei. Gerade die jugendlichen SPD-Repräsentanten wie die Jusos erreichen die Jugendlichen heute überhaupt nicht, verscheuchen sie eher.

Kevin allein zu Haus.

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